Psychotherapeutische Grundeinstellung

Praxis für Psychotherapie, Lebenskunst und Humor

Meine theologische Ausbildung und Tätigkeit in der Praktischen Theologie hat bewirkt, dass ich immer noch als freischaffender Theologe aktiv bin, als unorthodoxer Katholik, der das Christentum nicht als Drohbotschaft sondern als Frohbotschaft versteht, nicht als Medium zur Untertanenfabrikation sondern zur Befreiung. So habe ich therapeutisch oft mit Menschen zu tun, die durch eine verlogene und pathogene Moral und Dogmatik psychisch gestört und in ihrer Lebensgestaltung schwer behindert worden sind.

Außerdem arbeite ich als Humorforscher, bewusstseinserheiternder Witzlandschaftspfleger in witzloser Zeit und als Freudenlandschaftspfleger. Denn echter Humor, Witz und Freude sind Vitamine der Lebenskunst. Sie werden in Psychotherapie und Alltagsleben viel zu wenig beachtet, obwohl sie der Gesundheit in höchstem Maße gut tun. Daher halte ich Vorträge und Seminare zur Förderung von Humor, Witz und Lebenskunst für verschiedene Berufsgruppen und Lebenswelten (z. B. Unternehmen, Organisationen).

Psychotherapeutische Grundeinstellung

In meiner Arbeit als psychotherapeutischer „Menschenbummler“ spielen die folgenden Leitsätze eine wichtige Rolle.

> Prinzip Daumenabdruck:

Wenn wir bedenken, dass bereits der Daumenabdruck jedes Menschen einmalig und individuell ist, dann wird uns klar, wie unendlich vielschichtig, komplex und unterschiedlich das ist, was wir die Psyche eines Menschen nennen: die Art und Weise des Empfindens und Wahrnehmens, des Fühlens und Denkens, des Erlebens, des Wollens und Wünschens, des Erinnerns und der Verarbeitung von Innenwelt- und Umwelteindrücken, sowohl Bewusstes als auch Unbewusstes umfassend. Jeder Mensch macht seine persönlichen Erfahrungen im Austausch mit der Innenwelt und der Umwelt. Daraus ergibt sich:

> Prinzip Bescheidenheit:

Bescheidenheit kommt von Bescheid wissen. Wenn wir bedenken, wie wenig wir wissen und wie vielfältig die Welt, auch die psychische Welt, ist, dann kann man bescheiden mit allem Wissen umgehen. Sigmund Freud hat das kurz vor seinem Tod, über sein Lebenswerk sinnierend, wunderschön gesagt. „Ich habe ein wenig Licht in die unermeßlichen psychischen Räume des Menschen bringen können.“

> Die ausdrückliche Beachtung der Leidens- und der Freudenbiographie in Beratung, Therapie und Psychohygiene. In der Psychotherapieszene wird die Freude als Ressource viel zu wenig beachtet und gepflegt, weil oft Traumatisierung, Leiden und Störungen fixiert werden. Die Quellen der Freude und das befreiende Lachen finden viel zu wenig Aufmerksamkeit. Der herrschende tierische Ernst hat sich in die Therapieszene viel zu stark eingeschlichen. Therapie soll stärker lösungsorientiert als problemorientiert sein. Deshalb wird in meiner Praxis viel geweint und viel gelacht, weil alle Gefühle des heilsamen Ausdrucks bedürfen. Ein chinesisches Sprichwort bringt das treffend zur Sprache: „Wer viel lacht und viel weint, wird sehr alt.“

> Prinzip Ermutigung:

Alle unsere Lebensaufgaben erfordern Mut. Dieser bewirkt eine Störkung des Selbstvertrauens und ein guten Selbstwertgefühl. Alfred Adler hat deshalb das Prinzip Ermutigung als grundlegende Maxime für Erziehung, Beratung und Therapie formuliert. Ermutigung ist für die Entfaltung eines gesunden Selbstwert- und Gemeinschaftsgefühls ein Leben lang wichtig. Psychisch gestörte, gehemmte, verängstigte und verletzte Menschen sind immer entmutigte Menschen, durch sich und andere entwertete Menschen, die der Ermutigung ganz besonders bedürfen.

> Lust- und Machtstreben kultivieren:

Die genialen Tiefenpsychologen Sigmund Freud und Alfred Adler haben die beiden Grundkräfte des Lebens enttabuisiert und deren Kultivierung gefordert und gefördert: Freud die „Macht des Luststrebens“ in allen ihren Facetten, und Adler die „Lust des Machtstrebens“. Diese beiden Lüste, die in vielfältiger Weise die Tragik und Komik des Lebens bestimmen, spielen im Großen wie im Kleinen eine zentrale Rolle für die erotische oder aber neurotische Lebensgestaltung.

> Kindlichkeit und Erwachsenheit entfalten und balancieren:

In meiner kleinen therapeutischen Lebensphilosophie ist das Zusammenspiel von Kindlichkeit und Erwachsenheit sehr wichtig. Kindlichkeit meint die Fähigkeit, im Hier und Jetzt zu leben, mit offenen Sinnen und starken Gefühlen am Leben zu sein, sich der „Regression im Dienste des Ichs“ hingeben zu können und die Spiele des Lebens bewegt und lustvoll genießen zu können.

Und Erwachsenheit meint die Fähigkeit, Frustrationen auszuhalten, Leistungen zu erbringen, Verantwortung für sich und andere übernehmen zu können und Klugheit in der Lebensführung zu entfalten. Klugheit besteht in der Fähigkeit zu Rücksicht, Umsicht, Vorsicht und Voraussicht. Zur Lebenskunst gehört eine ehrfürchtige Haltung des Menschen zu den Menschen, zur Natur und zu den Dingen, die ihn umgeben. Eine reife Einstellung zu dem, was ihm widerfährt, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit.

Kinder leben noch im Hier und Jetzt, deshalb können sie auch glücklich sein, denn „Glück ist ein Wort aus der Kinderwelt“. (Sigmund Freud) Und Glück ist Teilhabe, Zugehörigkeit, Eingebundensein in ein Ganzes, Mitschwingen im Rhythmus des Lebens, Dazugehören zur Welt und den Menschen, hier und jetzt.

Wir kommen unfertig auf die Welt – und dann werden wir oft systematisch fertig gemacht. Doch jeder Mensch hat ein Wesen in sich, das sich gegen verblödendes Fertigmachen sträubt, das hilft, offen und lebendig zu werden, immer wieder, immer wieder neu. Das ist unsere Kindlichkeit, die nicht resigniert, die uns ihre Weisheit, Lebenslust, List und Aufmüpfigkeit zulächelt.

Erich Kästner, der die Kindheit als „Leuchtturm“ bezeichnet hat, war ein Anwalt dieser Kindlichkeit:

„Früchtchen seid ihr, und Spalierobst müsst ihr werden! Aufgeweckt wart ihr bis heute, und einwecken wird man euch ab morgen / Vom Baum des Lebens in die Konservenfabrik der Zivilisation / Lasst euch die Kindheit nicht austreiben! Schaut, die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut / Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch!“

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