Wer ist Alfred Kirchmayr?

Geboren wurde ich 1942 mitten im Krieg in einem niederösterreichischen Dorfgasthaus. Die anregungsreiche Lebenswelt meiner Kindheit und Jugend wurde durch das Gasthaus, die Landwirtschaft und Weinkellerei meiner Eltern geprägt. Blumen und Bäume, besonders Moose und Gräser, faszinierten mich in der Gymnasialzeit. Mit 14 Jahren wurde ich begeisterter Hobby-Astronom und veröffentlichte noch vor der Matura Beobachtungen von Planeten und Spiralnebel.

Seit 1963 lebe ich in Wien, der faszinierenden und widerspruchsreichen Wiege der modernen Psychotherapien.

Doch zurück zu Ausbildung und Berufstätigkeit: Nach der Matura wandte ich mich der “ Gotteswissenschaft “ zu. Als einer der ersten Laientheologen studierte ich katholische Theologie in Wien. Damals begann das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) und versprach eine Öffnung der Kirche, die aber aus Angst vor Veränderung und durch klerikale Herrschsucht bald wieder eingeschränkt wurde.

Von 1968 – 1982 war ich Universitätsassistent für Praktische Theologie und Mitarbeiter des Konzilstheologen Ferdinand Klostermann an der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien. Nach dem theologischen Doktorat (1970), das ich durch eine zeitgeschichtliche Studie erwarb, studierte ich nebenberuflich Psychologie und Soziologie an der Wiener Universität. Meine psychologische Dissertation äber „Psychische Gesundheit bei Theologiestudierenden“ war die erste repräsentative Untersuchung zu diesem Tabuthema im deutschen Sprachraum.

Von 1975 – 1994 kam es zur intensiven Zusammenarbeit mit dem international bekannten Suizidforscher und „Nationalpsychiater“ der „österreichischen Seele“, Erwin Ringel. Wir veröffentlichten 1985 gemeinsam den Bestseller „Religionsverlust durch religiöse Erziehung“ und hielten Vorlesungen über Psychologie für Theologiestudierende – was bei der Kirchenleitung und an der Theologischen Fakultät großen Widerstand ausgelöst hat.

Von 1983 – 1999 war ich auch als Lektor am Institut für Medizinische Psychologie tätig. Ringels Angebot, mich zu habilitieren, lehnte ich ab – das universitäre Klima war mir zu wenig erdig – und übernahm eine Professur für Psychologie an der Bundesakademie für Sozialarbeit in St. Pölten (1982 – 2004). Bis 2008 war ich dann Lektor für Psychologie und wissenschaftliches Arbeiten an der Fachhochschule St. Pölten.

Seit 1976 arbeite ich als unorthodoxer Psychoanalytiker mit adlerianischem Akzent in freier Praxis. Meine Ausbildung zum Psychotherapeuten erwarb ich im „österreichischen Verein für Individualpsychologie“, wo ich als Lehrtherapeut tätig bin. In meiner Praxis mache ich Einzel- und Partnertherapien, Krisenintervention, Kurzzeit- und Langzeittherapien.

Hobbys und kreative Freudenschaften: Wie für jeden Menschen sind auch für mich die Schönheit der Natur – Wandern und Reisen – und die anregungsreichen Schätze der Kultur von großer Bedeutung. Ich habe eine ausgeprägte Neigung zum Fotografieren und zum Sammeln: Grafiken und Gemälde, Mineralien und Versteinerungen, Schellacks mit Jazz, klassischer Musik und Volksmusik – aber auch alte Briefwaagen und Jugendstilmöbel. Auch in der Therapie arbeite ich manchmal mit Kunstwerken.

Schwerpunkte der Forschung und Lehre: Psychohygiene und Psychotherapie, Psychotherapiewissenschaft / Witzlandschaftspflege und Freudenlandschaftspflege / Humor- und Lachforschung / Politische Psychologie und Friedenspsychologie / Konfliktmanagement und Problemlösung mit Humor / Psychologie der Lebenskunst: erotische Kultur statt neurotischer Erstarrung / Christliche Spiritualität / Religionspsychologie und Kirchenpathologie.

Wissenschaftliche und wissenschaftspublizistische Veröffentlichungen über die angeführten Themenbereiche: Mitarbeit an mehr als 30 Büchern, etwa 150 Artikel in Fachzeitschriften.

Vielfältige Vortrags- und Seminartätigkeit, Mitarbeit an etwa 50 Rundfunk- und Fernsehsendungen im deutschen Sprachraum.

Einige mir wichtig erscheinende Lebenserfahrungen möchte ich noch kurz anführen.

Da ich viele Jahre lang Vorlesungen und Seminare über Geschichte, Selbstverständnis und Strategien der modernen Psychotherapieschulen gehalten habe, verstehe ich mich als dankbarer „Schüler“ dieser vielfältigen und anregungsreichen Einsichten in das weite Land der menschlichen Seele. Anfangs hat es mich eigenartig berährt, dass konfessionalistische und fundamentalistische Tendenzen in der Psychotherapieszene ebenso verbreitet sind, wie im religiösen und kirchlichen Bereich. Offensichtlich sind zwei Dinge unendlich, wie Albert Einstein sagte: das Universum und die menschliche Dummheit und Beschränktheit. Damit muss man leben lernen und dazu bedarf es einer humorvollen Lebenseinstellung.

Meine Tätigkeit an der theologischen Fakultät war auf weiten Strecken Widerstandsarbeit gegen fundamentalistische Engen und Ängste. Die „Hausmittel der Ketzerbekämpfung“, insbesondere Rufmord in jeder Form und Verdünnung, habe ich natürlich massiv erfahren. Mir wurde klar, dass Angst vor Veränderung, Machtverlust und der damit verbundene tierische Ernst und das Anklammern an Ideologien, schauerliche Blüten treiben können. Besonders dadurch wurde mir die große Bedeutung von Humor, Witz und Komik für den Umgang mit Problemen und Konflikten bewusst – ebenso deren enorme Bedeutung für die psychosoziale Gesundheit und ein gedeihliches Zusammenleben.

Auch in der Psychotherapie ist der Sinn für Humor von großer Bedeutung, weil er heilsame Distanz zu sich selbst und zu den Dingen der Welt schafft, die schmerzen und kränken. Die Förderung einer humorvollen Lebenseinstellung hilft, den vielfach herrschenden und krankmachenden tierischen Ernst zu überwinden. Humorvolles Lachen bewirkt emotionale Lockerung, begleitet von befreienden Einsichten in unsere allzumenschlichen Beschränktheiten und Schwächen. Guter Witz, Humor und Lachen fördern die Lebenslust und Lebenskunst, sie bewirken zugleich Bewusstseinserweiterung und Bewusstseinserheiterung.

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